8. April 2020 | Gemeindegründung vor Ort

Pop-Up Kirche

„Vom Trachtenhaus zum Gotteshaus: alles neu in der Kramgasse 3“ titelte die Südwestpresse über die Ulmer Pop-Up Kirche. Mitten in der Innenstadt, wo Lederhosen und Dirndl über die Ladentheke gingen, geht es um Gott und Glauben. Neun Wochen lang nutzen wir einen leerstehenden Laden als Kirche auf Zeit.
Kurz vor Heiligabend kam ein Mann nach dem Gottesdienst zu uns: „Bis Mitte April steht ein Ladengeschäft von mir leer, könnt ihr etwas damit anfangen?“ Kennengelernt hatten wir ihn im Juli bei einem Biergartengottesdienst. Seitdem kommen seine Familie und er regelmäßig.

Die Gelegenheit nutzen

Wir hatten keine Zeit für neue Projekte, trotzdem war uns klar: Das ist eine einmalige Gelegenheit! Wir schauten uns den Laden an und träumten, was man machen könnte; wir schliefen drüber und erwachten beide mit dem Gefühl: Gott will, dass wir was draus machen – auch wenn wir noch nicht wissen, was und wie.

Zuerst hängten wir XXL-Plakate zu unserer Weihnachts-Themenreihe mit dem Slogan: „Pop-Up Kirche Ulm – coming soon“ ins Schaufenster. Tatsächlich kamen einige an Heiligabend, die lange keinen Gottesdienst mehr besucht hatten. Eine Frau sagte: „Was ich heute in gehört habe, hat mich verändert. Ich will der Sache mit Gott eine Chance geben.“

Eine Oase im Konsumstress

Nach Weihnachten trafen sich zwölf Citychurchlern zum Brainstormen: Was könnte in Nachbarschaft zu Ulmer Münster, den Cafés und Geschäften eine Anziehungskraft entwickeln? Entstanden ist die „Aktion Osterei: Freude verschenken!“ In der Pop-Up Kirche können Passanten ihren Bummel unterbrechen, um Freude zu tanken und zu verschenken. Sie ist eine Mischung aus Kreativwerkstatt, Galerie und Café. Man kann nur schauen oder gegen zwei Euro Spende ein edles Holzei bepinseln, bekleben, bestempeln oder kreativ gestalten – manche in zwei Minuten, andere vergessen alles um sich herum.

Freude verbreiten und Gutes tun

Mit dem fertigen Ei macht man jemandem eine Freude: Manche gestalten es als Geschenk für die Kinder der Ulmer Jugendhilfeeinrichtungen, von denen einige weder an Weihnachten noch Ostern ein Geschenk bekommen. Sie erleben, dass sie nicht vergessen sind. Denn an Ostern geht es weder um Hasen, noch um Eier, sondern um Hoffnung. Auch unser Oberbürgermeister bemalt nicht nur ein Ei, sondern ist auch Schirmherr der Spendenaktion.

Bislang wurden rund 500 Holzeier gestaltet. Manche spenden etwas, andere gucken nur. Fest steht aber: So viele Gespräche über unsere Motivation, den Sinn von Ostern, Gott und den Glauben haben wir noch nie geführt. Und immer wieder tauchen Leute dadurch in unseren Gottesdiensten auf.

„Wir sind Gott nicht egal!“

Zur Pop-Up Kirche sind wir gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Daraus ist mehr geworden als originelle PR: Wir werden als Citychurch bekannter und nicht wenige lassen sich neu für Kirche und Glauben begeistern. Sie spüren, dass hier Freude und Hoffnung zu finden sind, und sprechen darüber, dass das im Leben fehlt. Viele berührt die Vorstellung, dass sie Gott nicht egal sind: Sie ahnen, wie gut es täte, ihm vertrauen zu können. Das motiviert uns. Die Aktion kostet Zeit und Energie, aber es lohnt sich. Denn Gott will Freude und Hoffnung ins Leben der Menschen bringen. Und dafür braucht er uns.

Rabea und Daniel Rentschler | Pastorin und Pastor der CityChurch Ulm

Weitere Infos

Video-Beitrag zur Pop-Up-Kirche: link.feg.de/chpopupkirche

CityChurch Ulm: citychurch-ulm.de

Diese Story ist in CHRISTSEIN HEUTE erschienen.